Stägeli uf, Stägeli ab - eine Geschichtslektion

Willkommen zu einer kleinen Exkursion in die Geschichte Edinburghs!

Die Altstadt von Edinburgh gleicht im Aufbau ein wenig einem Fischskelett: der Hauptknochen ist die Hauptstrasse - die sogenannte Royal Mile - und führt auf der Länge von etwa - Achtung Überraschung - einer Meile vom Holyrood- zum Edinburgh-Castle. Von dieser gehen mehr oder weniger rechtwinklig auf beiden Seiten kleine Gassen ab - die sogenannten Closes.

Durch diese Closes gelangt man auf der einen Seite Richtung Waverley Station (das ist der Hauptbahnhof) und auf der anderen Seite beispielsweise zum Grassmarket (dort gibt es jede Menge Pubs). Entlang der Royal Mile und darum herum liegen auch die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt und die Closes geben den Fussgängern in der heutigen Zeit die Möglichkeit, in recht kurzer Zeit von A nach B zu gelangen. Zudem sind die meisten davon autofrei, was die ganze Sache noch um einiges angenehmer macht.

Früher gab es ausserhalb der Altstadt nichts (ausser einem stinkenden Waschteich). Dafür gabe es jedoch wesentlich mehr Closes als heute; praktisch nach jeder Häuserreihe führte ein kleiner oder grösserer Weg von der Royal Mile weg.

Im 18. Jahrhundert benötigte die Stadt jedoch mehr Platz für ihre Regierung und entschied deshalb, ein paar dieser Gässchen zuzuschütten und darüber die neuen City Chambers zu bauen. Gesagt getan, wurden deren Bewohner aus ihren Häusern vertrieben (soziales Verhalten war damals noch nicht so populär) und es wurde fleissig zerstört und überbaut.

Unter anderem ereilte den "Mary King's Close" dieses Schicksal. Dies war ein eher breiter Close (ca. 7 Fuss), in welchem eine kleine Gemeinschaft ihr tägliches Leben meisterte.

Es gab mehrere gesellschaftliche Schichten: die Armen lebten zuunterst in den Häusern, wo die Hauswände von den herunterfallenden Fäkalien verspritzt waren (damals leerte man seinen Topf halt einfach aus dem Fenster, egal in welchem Stock man wohnte) oder zuoberst, wo die Hauser aus Holz gebaut - und somit schlecht isoliert - waren und leicht Feuer fingen. Die reicheren Leute wohnten in den mittleren Stockwerken, welche etwas ruhiger, gut isoliert und feuerfester gebaut waren. Die einzelnen Stockwerke erreichte man über eine kleine Treppe aussen am Haus.

Die ganz reichen Leute wohnten ausserhalb der Stadtmauern. Dort gab es keine Geschäfte und wenn man einkaufen wollte musste man jedes Mal eine Eintrittsgebühr für die Stadt bezahlen. Da man damals noch keine Abonnemente kannte, war dies eine sehr kostspielige Angelegenheit!

Aber zurück zum Mars King's Close: erst im 20 Jahrhundert entdeckte man Teile der alten Strasse wieder und richtete sie für die Öffentlichkeit her.

Über eine schmale Treppe gelangt man unter die Stadt und findet sich in der alten Welt wieder: Wohnzimmer, Küchen, Schlafzimmer, Stallungen, Werkstätten - die Räume wurden mehrheitlich in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Man wandert durch Wohnungen von ärmeren und reicheren Leuten. Einmal sieht an einem Beispiel, was die grosse Pest angerichtet hat ein anderes Mal wird die Geschichte eines Mordes erzählt.

Während der ganzen Tour erläutert eine historisch gekleidete Person die einzelnen Geschichten. Wir wurden von einer jungen Frau geführt, welche zuerst behauptete, sie sein ein gut erhaltenes, 320-jähriges Gespenst und am Schluss den Schleier lüftete und bekanntgab, sie habe doch nie im Mary King's Close gewohnt und heisse in Wahrheit Amy, komme aus Glasgow und sei Schauspielerin. Auch Gespenster sind anscheindend nicht mehr, was sie einmal waren...

Auf jeden Fall ist die "Stadt unter der Stadt" definitive einen Besuch wert!

So und nun genug mir "Reisefüehrerle"... Ich gehöre ins Bett, damit ich morgen fit für Jamie bin!

16.10.13 23:14

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


UrsulaM (17.10.13 00:17)
Sehr interessant und anschaulich erzählt. So lasse ich mich gerne 'reiseführlerle'! um


(17.10.13 09:54)
hmmm, mir kommt das alles sehr bekannt vor... Merci fürds uffrüschä ;-) isch schono 'intressant' was di regierige früecher so gmacht hei...!?

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