Ein Hühnerhaufen in Edinburgh

Die letzten Tage kam so etwas wie Alltag auf: um sieben aufstehen, den morgendlichen Spaziergang unter die Füsse nehmen, Schule bis halb fünf, heim laufen, um halb sieben Nachtessen, lernen bis zehn-halb elf, schlafen, um sieben wieder aufstehen und das ganze Spiel von vorn...

Gestern Abend nahm ich dann am von der Schule organisierten Whisky Tasting teil. Dazu kam ein Whiskyexperte in unsere Schule, erzählte uns jede Menge Interessantes über das schottische "Wasser des Lebens" und liess uns fünf verschiedene Whiskies probieren. Und obwohl ich bereits in Irland und Schottland diverse Distillerien besucht und verschiedenes gehört und probiert habe, erfahre ich doch immer wieder Neues. Whisky ist eine Wissenschaft für sich - allerdings eine sehr feine!

Bereits Anfang Woche habe ich mich mit Ines (Spanierin, 22, etwas launisch, aber generell eine Bereicherung für mich) für heute für einen Kinoabend verabredet. Auch Zoe (18, aus Baden) und Corinne (31, aus Dübendorf) gesellten sich zu uns.

Ines ist wegen ihrem Freund in Edinburgh; der kommt nämlich von hier. Das hat natürlich den Vorteil, dass sie die Stadt bereits recht gut kennt. Somit wurde sie schnell zu unserer Fremdenführerin erkoren. Leider hat sie sich dann heute Mittag verabschiedet, sie fühlte sich nicht gut.

Wir Übriggebliebenen wollten uns den Kinobesuch aber nicht nehmen lassen! Besonders professionell stellten wir uns dabei allerdings nicht an...

Wir wussten nicht, in welchem Kino der Film läuft. Dass der Computerraum in der Schule heute Nachmittag eine Klasse beherbergte und wir diesen nicht betreten durften, um im Internet rasch das Kinoprogramm zu checken, kam noch erschwerend dazu.

Mit Hilfe des WLAN-Netzes und unseren Handys machten wir dann den Film (Turbo - ein Trickfilm über eine Schnecke, welche durch einen Unfall zur Turboschnecke wird) dennoch ausfindig und machten uns nach der Schule auf zum Kino Orion. Zoe führte uns sicher durch die Stadt - sie war bereits einmal dort gewesen.

Dort angekommen sagte man uns jedoch, dass der Film hier nicht gezeigt wird und beschrieb uns den Weg zum Fountain Park, wo sich ein IMAX-Kino befindet. Nach zweimaligem Nachfragen bei Passanten fanden wir dieses sogar (schottische zehn Minuten sind - wie die kanadischen - nicht sonderlich zuverlässig).

Dort wiederum stellten wir fest, dass der Film erst um halb acht beginnen sollte. Es war kurz vor sechs, wir hatten bereits gegessen und waren - typisch Schweizer - nicht auf Warten eingestellt...

Wie es sich für ein IMAX-Kino aber gehört, wurden natürlich laufend viele verschiedene Filme gezeigt und so gingen wir einfach zur Kasse und fragten nach dem nächstmöglichen Film. Die Auswahl bestand zwischen "Sunshine on Leith" (einem schottischen Musicalfilm), "Jackass: Bad Grandpa" (no further comments), "Captain Philips" (der neue Film mit Tom Hanks) und "The Happy Lands" (dieser wurde uns als "kind of a feelgood movie" beschrieben).

Wir interessierten uns kollektiv weder für singende Schauspieler, noch für böse Opas und da Corinne sich am Sonntag bereits für "Captain Philips" verabredet hat, entschieden wir uns für das glückliche Land.

Die Geschichte (halb Spielfilm, halb Dokumentarfilm) dreht sich um des Streik der Kohlegrubenarbeiter 1926. Er spielt in Schottland und ist eigentlich ganz interessant. Allerding ist er in schottischem Dialekt gesprochen und soweit bin ich nun wirklich noch nicht...

Jedenfalls bin ich heute noch müder als sonst, denken ist gerade eher schwierig und ich freue mich uuunglaublich auf das Bett! Und auf's Wochenende, wenn wir schon dabei sind...

Und die Schnecke kommt auch noch dran, irgendwann...

24.10.13 22:28, kommentieren

Kulturelle Unterschiede und ein Zimmer mit Aussicht

Gestern am frühen Nachmittag kam Annie, eine der taiwanesischen Schwestern, in mein Zimmer und fragte: "Are you busy? Can you come and have a look at the bathroom?" Ich ging also ins Badezimmer und sah, dass im Waschbecken und in der Dusche Wasser stand. Auch im WC war der Pegel höher als sonst und der Boden war ebenfalls nass.

Ich habe nicht gross gefragt, dachte mir, es gebe ein Problem mit der Pumpe (die Wasserversorgung im Keller funktioniert über eine kleine Pumpe hinter dem Spülkasten), schnappte mir einen Lappen und putzte den Boden. Annie und Unicorn (sie haben sich die Namen selbst gegeben, weil ihre richtigen Namen für Nicht-Taiwanesen zu schwierig sind) haben mich dabei tatkräftig unterstützt und wir kamen überein, dass wir Mario und Nadia sobald wie möglich über das Problem informieren müssen.

Ich habe mir noch überlegt, ob wir zuviel Papier runtergespült hatten oder ob vielleicht Haare der Grund für die Verstopfung sein könnten.

Am Abend hat Mario dann festgestellt, dass die Pumpe gar nicht arbeitete und zuerst einmal die Sicherung ausgetauscht. Danach konnte er hören, dass die Pumpe zwar versuchte zu drehen, dies jedoch nicht zustande brachte. Es musste also etwas darin eingeklemmt sein.

Heute morgen nahm er dann die ganzen Rohre auseinander, richtete ein mittleres stinkendes Schwimmbad an und fand - im Mischer der Pumpe eingeklemmt - ein paar Unterhosen. Schnell stellte sich heraus, dass Annie und Unicorn ihre Wäsche im Bad gewaschen hatten und dabei obengenannten Verlust verbuchen mussten.

Mario war ordentlich sauer und hat den beiden ins Gewissen geredet. Nadia wäscht unsere Kleider jeden Tag und es ist eigentlich nicht nötig, selber zu waschen. Da die beiden jedoch darauf bestanden, hat Nadia ihnen gesagt, sie können ihre Wäsche in der Kellerküche waschen, da dort die Wasserversorgung etwas weniger empfindlich ist als im Bad. Daran habe sie sich aber offensichtlich nicht gehalten.

Die beiden waren über Marios Massregelung dermassen beleidigt, dass sie ihre Koffer packten und sich eine andere Bleibe suchten.

Ich war zugegebenermassen von der heftigen Reaktion etwas überrascht und habe mich schnell aus dem Staub gemacht - ich wollte lieber nicht dazwischengeraten. Da die Zeit für den Arthur's Seat zu diesem Zeitpunkt bereits wieder zu knapp war, habe ich einen sehr erfrischenden Spaziergang auf den Corstorphine Hill unternommen, von wo aus man eine herrliche Aussicht auf die Stadt hat. Ausserdem hat sich sogar die Sonne gezeigt und ich konnte mich richtig gut durchlüften lassen.

Bei meiner Rückkehr waren die beiden Mädchen bereits weg.

Nun hatte ich Nadia gestern gefragt, ob es eine Möglichkeit gebe, dass ich in ein anderes Zimmer ziehen kann. Meines ist ziemlich dunkel und da ich recht viel Zeit darin verbringe, habe ich angefangen, mich etwas eingeschlossen zu fühlen. Yulia geht in zwei Wochen zurück nach Moskau und ich dachte, ich könnte danach vielleicht in ihrem Zimmer wohnen. Es ist etwas grösser, nicht im Keller und hat zwei ziemlich grosse Fenster.

So hat die Sache mit Annie und Unicorn zumindest für mich etwas Gutes: ich konnte bereits heute in ein neues Zimmer umziehen und habe jetzt eine grosse Fensterfront und Aussicht auf den Garten. Es ist viel heller und grösser hier und nun habe ich sogar ein Badezimmer für mich alleine.

Ob bald jemand neues einzieht, weiss ich nicht. Lait Nadia kann dies jederzeit passieren.

Mir hat das Ganze wieder einmal klar gemacht, wie unterschiedlich die Menschen sind. Für manche ist es normal, einen Fehler zu machen und sie trauen sich, wo nötig um Hilfe zu bitten. Andere sind davon so peinlich berührt, dass sie lieber schweigen und abwarten - vielleicht passiert ja nichts. Ich kann irgendwie beide Seite nachvollziehen. Manchmal geht's ja gut. Nur halt eben nicht immer...

20.10.13 21:18, kommentieren

If it's raining it's raining...

Letzten Donnerstag nach der Schule sind Martina und ich auf der Suche nach etwas Essbarem in der New Town über ein Sushirestaurant gestolpert und haben uns eine Portion rohen Fisch gegönnt. Ich bestellte ein "Special Sashimi Set", welches in einem riesigen Schiff daher kam und fast die Hälfte des Tisches in Anspruch nahm. Es war mit Fähnchen und Fischernetzen behängt und Martina verschwand irgendwo dahinter. Lecker war's! Aber nicht ganz das richtige, um nebenbei noch eine Konversation aufrecht zu erhalten...

Danach sind wir in Richtung Usher Hall gewatschelt um endlich das lang ersehnte Konzert von Jamie Cullum zu sehen. Die Usher Hall ist ein prächtiges Gebäude, welches 1914 von Andrew Usher, dem Sohn eines Whiskybrenners, iniziiert wurde: er spendete der Stadt einen Betrag von 100'000 Pfund für den Bau einer neuen Konzerthalle. Das Ergebnis ist aussen wie innen wunderschön und gilt bis heute als eine der besten Konzerthallen der Welt. Von der grossartigen Akkustik konnte ich mich selber überzeugen. Andrew Usher selbst hat die fertige Halle jedoch nicht mehr erlebt...

Das Konzert began um sieben mit einer ziemlich schrägen Vorband, deren Name mir bereits wieder entfallen ist. Eine Sängerin in einem nicht ganz gelungenen Pin-up Kostüm und ein DJ, welcher eigentlich nur den Computer bediente und ab und zu ein paar unpassende Scratch-Versuche startete...

Doch dann kam der keine Mr Cullum und die kleine Halle begann zu kochen: das mehrheitlich über 50-jährige Publikum stand auf, tanzte, sang mit und feierte - es war eine wahre Freude!

Nach dem Konzert habe ich den ersten Whisky getrunken, seit ich hier bin. In einem nahegelegenen Pub namens Ghillie Dhu (es befindet sich in einem kirchenähnlichen Haus und ist ein weiteres imposantes Gebäude) bestellten wir einen Dalmore und genossen es, endlich einmal einfach nur warm zu haben.

Gestern war ich dann doch etwas müde... Trotzdem gesellte ich mich am Abend zu meinen Schulgspändli und ging für die Pubnight wieder in die Stadt. Diesmal habe ich sogar für den hin- und Rückweg einen Bus erwischt...

Heute ist ein komischer Tag. Es regnet, wie schon die letzten Tage und ich bin etwas energielos. Immerhin habe ich mich am Nachmittag kurz aus dem Haus gewagt und einen Spaziergang durch die äusseren Teile der Stadt gemacht. Es gibt hier sehr schöne und vorallem grosszügige Wohnhäuser; ich habe allerdings auch viel Schäbiges gesehen. Viele Häuser sind schlecht gepflegt und scheinen fast auseinander zu fallen.

Zudem bin ich noch durch einen riiiesigen Friedhof - den Dean Cemetery - gelaufen. Die Äste der Bäume hingen tief vom Regen und das Kies auf dem Weg knirschte unter meinen Schuhen. Dazu schien ich mich - zumindest zeitweise - alleine auf dem Grundstück und zwischen all den den alten Gräbern zu befinden. Alles in allem eine eher gruslige Sache... Die vielen in diesem Land kursierenden Gespentergeschichten überraschen mich jedenfalls nicht...

Wie von Leo (meinem Kurscoach) aufgetragen habe ich mir heute eine Times gekauft und zu hause angefangen, darin zu lesen. Horizonterweiterung hin oder her: es ist langweilig! Während dem Lesen merke ich jeweils ziemlich schnell, wie sich meine Gedanken lieber um die nächste Mahlzeit oder den nächsten Ausflug drehen und dann kann ich mit dem eben geledenen wieder von vorne anfangen.  Aber eben: bei der Prüfung können irgendwelche Themen drankommen und ich muss dringend mein Vokabular auf Vordermann bringen. Wie Leo so schön gesagt hat: "You're an excellent speaker, but for the CPE you have to be extraordinary!" Also lese ich munter weiter und hoffe, dass es bald spannender wird...

Nadia und Mario waren seit Mittwoch auf einem Ausflug zu Freunden auf der Isle of Skye und sind erst heute Abend wieder zurückgekommen. Wir hatten vereinbart, dass sich heute jeder selbst um sein Abendessen kümmert und ich hatte es mir gerade mit meiner neuen dicken Zeitung in der Küche gemütlich gemacht, als Yulia völlig ausser Atem durch die Türe hereinstürmte. Sie hatte die Info verpasst und dachte, sie komme zu spät zum essen. Natürlich hatte sie sich dementsprechend auch nicht mit etwas Essbarem eingedeckt und den Kühlschrank hatten wir während der letzten Tage bereits leer gefuttert. Also haben wir unsere Sachen zusammengetragen und assen ein  zusammengewürfeltes Znacht aus Instantsuppe (spendiert von mir), einem Salamirest aus dem Kühlschrank, Toast (eigentlich beides für's Frühstück gedacht), Schokoladenbiscuits und Erdbeeren (spendiert von Yulia). Dazu versuchten wir beide, aus der Times schlau zu warden, was in lautem Gelächter endete...

Morgen will ich endlich auf den Arthur's Seat hochwandern. Und wenn's schon wieder (oder immernoch) regnet, dann gehe ich trotzdem. Muss ja meine Regenjacke auch mal richtig testen. Und schliesslich kommt man ja nicht wegen dem Wetter nach Schottland...

19.10.13 23:38, kommentieren

Stägeli uf, Stägeli ab - eine Geschichtslektion

Willkommen zu einer kleinen Exkursion in die Geschichte Edinburghs!

Die Altstadt von Edinburgh gleicht im Aufbau ein wenig einem Fischskelett: der Hauptknochen ist die Hauptstrasse - die sogenannte Royal Mile - und führt auf der Länge von etwa - Achtung Überraschung - einer Meile vom Holyrood- zum Edinburgh-Castle. Von dieser gehen mehr oder weniger rechtwinklig auf beiden Seiten kleine Gassen ab - die sogenannten Closes.

Durch diese Closes gelangt man auf der einen Seite Richtung Waverley Station (das ist der Hauptbahnhof) und auf der anderen Seite beispielsweise zum Grassmarket (dort gibt es jede Menge Pubs). Entlang der Royal Mile und darum herum liegen auch die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt und die Closes geben den Fussgängern in der heutigen Zeit die Möglichkeit, in recht kurzer Zeit von A nach B zu gelangen. Zudem sind die meisten davon autofrei, was die ganze Sache noch um einiges angenehmer macht.

Früher gab es ausserhalb der Altstadt nichts (ausser einem stinkenden Waschteich). Dafür gabe es jedoch wesentlich mehr Closes als heute; praktisch nach jeder Häuserreihe führte ein kleiner oder grösserer Weg von der Royal Mile weg.

Im 18. Jahrhundert benötigte die Stadt jedoch mehr Platz für ihre Regierung und entschied deshalb, ein paar dieser Gässchen zuzuschütten und darüber die neuen City Chambers zu bauen. Gesagt getan, wurden deren Bewohner aus ihren Häusern vertrieben (soziales Verhalten war damals noch nicht so populär) und es wurde fleissig zerstört und überbaut.

Unter anderem ereilte den "Mary King's Close" dieses Schicksal. Dies war ein eher breiter Close (ca. 7 Fuss), in welchem eine kleine Gemeinschaft ihr tägliches Leben meisterte.

Es gab mehrere gesellschaftliche Schichten: die Armen lebten zuunterst in den Häusern, wo die Hauswände von den herunterfallenden Fäkalien verspritzt waren (damals leerte man seinen Topf halt einfach aus dem Fenster, egal in welchem Stock man wohnte) oder zuoberst, wo die Hauser aus Holz gebaut - und somit schlecht isoliert - waren und leicht Feuer fingen. Die reicheren Leute wohnten in den mittleren Stockwerken, welche etwas ruhiger, gut isoliert und feuerfester gebaut waren. Die einzelnen Stockwerke erreichte man über eine kleine Treppe aussen am Haus.

Die ganz reichen Leute wohnten ausserhalb der Stadtmauern. Dort gab es keine Geschäfte und wenn man einkaufen wollte musste man jedes Mal eine Eintrittsgebühr für die Stadt bezahlen. Da man damals noch keine Abonnemente kannte, war dies eine sehr kostspielige Angelegenheit!

Aber zurück zum Mars King's Close: erst im 20 Jahrhundert entdeckte man Teile der alten Strasse wieder und richtete sie für die Öffentlichkeit her.

Über eine schmale Treppe gelangt man unter die Stadt und findet sich in der alten Welt wieder: Wohnzimmer, Küchen, Schlafzimmer, Stallungen, Werkstätten - die Räume wurden mehrheitlich in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Man wandert durch Wohnungen von ärmeren und reicheren Leuten. Einmal sieht an einem Beispiel, was die grosse Pest angerichtet hat ein anderes Mal wird die Geschichte eines Mordes erzählt.

Während der ganzen Tour erläutert eine historisch gekleidete Person die einzelnen Geschichten. Wir wurden von einer jungen Frau geführt, welche zuerst behauptete, sie sein ein gut erhaltenes, 320-jähriges Gespenst und am Schluss den Schleier lüftete und bekanntgab, sie habe doch nie im Mary King's Close gewohnt und heisse in Wahrheit Amy, komme aus Glasgow und sei Schauspielerin. Auch Gespenster sind anscheindend nicht mehr, was sie einmal waren...

Auf jeden Fall ist die "Stadt unter der Stadt" definitive einen Besuch wert!

So und nun genug mir "Reisefüehrerle"... Ich gehöre ins Bett, damit ich morgen fit für Jamie bin!

2 Kommentare 16.10.13 23:14, kommentieren

Hexentag

Heute konnte ich endlich ausschlafen! Ach war das schön!

Nach einem spärlichen Frühstück (Joghurt war aus, Müesli fiel somit weg und die Alternative bestand aus einem leicht gummigen Gipfeli mit Butter und Konfi und ein wenig Schinken), machte ich mich auf zum Supermarkt, um mich für's Mittagessen einzudecken.

 Die lustige Kassierein vom letzten Mal war nirgends zu sehen, aber der Rest scheint auch ganz freundlich zu sein. Nach meiner Herkunft wurde ich heute zur Freude der anderen Kunden jedoch nicht gefragt...

Das Wetter war heute etwas garstig. Zwar mehrheitlich trocken aber auch durchgehend grau, kalt und windig. Nicht der richtige Zeitpunkt für die geplante Wanderung auf den Arthurs Seat...

Also habe ich am Nachmittag meine neuen Schuhe angezogen und bin die zehn Minuten zur Gallery of Modern Arts gelaufen. Dieses Museum ist auf zwei Häuser aufgeteilt - Modern Art One und Modern Art Two.

Im Modern Art Two gibt es zur Zeit eine Ausstellung mit dem vielversprechenden Titel "Witches & Wicked Bodies" und ich dachte mir, ein bisschen Morbidität schadet bestimmt nicht...

Mit meinem nigelnagelneuen Studentenausweis gab's sogar noch eine kleine Reduktion auf den Eintrittspreis. Freudig!

Die Ausstellung war tatsächlich morbide: Bilder von Hexen, Monstern, dem Teufel, babylonischen Huren auf siebenköpfigen Kreaturen reitend und sogar eine Ausgabe vom berühmt-berüchtigten Hexenhammer. Hexen waren nach der gängigen Auffassung im Mittelalter entweder hässliche Weiber mit Hakennasen, ausgemergelten Körpern und sehr männlichen Gesichtszügen oder schöne Frauen mit Krähenfüssen, deren einziges Lebensziel nur darin bestand, gläubige Männer vom Pfad der Tugend abzubringen...

Interessant war auch eine chronologische Auflistung der geschichtlichen Eckdaten um die Hexenverfolgungen: Deutschland gilt als Wiege der Hexenverfolgung, ebenda sowie in England, Österreich und den USA fanden immense Jagden statt, welche in einer grossen Anzahl Opfern gipfelten. Die Schweiz war jedoch nicht besser: hier fand mit Anna Göldin die letzte Hinrichtung einer "Hexe" in Europa statt.

Nach einer gewissen Weile hatte ich genug von all dem Tod und Verberben und ich sehnte mich nach ein paar Eichhörnchen. So verliess ich das Museum und überquerte die Strasse, um im Park von Modern Art One meinem neuen Lieblingshobby zu fröhnen: Eichhörnchen fotografieren! Oder zumindest den Versuch zu wagen - die Tierchen sind nämlich ziemlich schnell und hüpfen meist genau auf Knopfdruck aus dem Bild... Aber ein paar Bilder sind dann doch gelungen!

Beim Abendessen haben wir uns heute über Sport unterhalten und ich wollte mit Roger Federer angeben. Keine Chance mit einem Spanier am selben Tisch (Rafael Nadal) und dazu noch in Schottland (Andy Murray). Dieser Schuss ging nach hinten los... Reden vor denken scheint auch hier nicht meine Stärke zu werden... 

Mittlerweile sind auch meine Hausaufgaben gemacht: ein Aufsatz über Vorbilder in der heutigen Gesellschaft. Wenn man eine Sprache lernt, muss man plötzlich über Dinge nachdenken, welche man sonst niemals näher betrachten würde. Auch ein schönes Beispiel dafür: ein Artikel mit Grammatikübung über ein neues geologisches Zeitalter mit vielen lustigen Ausdrücken welche ich gleich wieder vergessen habe (Göschenen - Airolo at its best!)...

Von meinem Coachinglehrer Dan habe ich den Auftrag gefasst, ein eigenes kleines Vocabulary zu führen, mit Wörtern, welche ich selber auch benutzen will. Zudem habe ich habe ich mich heute näher über den Ablauf der Cambridge-Prüfungen informiert und schaue fleissig Englische Videos um mein Hörverständnis zu trainieren. Let's see what we can get...

3 Kommentare 13.10.13 22:33, kommentieren

Shopping und andere Rauschmittel

Gestern Abend habe ich mir eine Busfahrt in die Stadt gegönnt um an der allwöchentlichen Pub Night der Schule teilzunehmen. Treffpunkt war um acht im "Finnegans Wake", einem Irish Pub in der Nähe des Schlosses.

Leider hatte niemand bedacht, dass gestern die Qualifikationsspiele für die Fussball-WM stattfanden - und dies unter anderem ausgerechnet zwischen Deutschland und Irland... Auf jeden Fall war das Pub voll bis obenhin mit Bewohnern ebendieser Länder und die Party war bei meiner Ankunft bereits in vollem Gang (obwohl Deutschland zu der Zeit 1 zu 0 in Führung lag).

Da die Idee einer von einer Sprachschule organisierten Pub Night aber wohl auch die Kommunikation in Englisch sein sollte, entschied Kasia (sie ist in der Schule für das Freizeitprogramm zuständig) nach etwa einer halben Stunde, dass wir in ein anderes Pub umsiedeln.

Wir wechselten also von Irland nach Schottland, in ein kleines Pub mit Livemusik am Grassmarket. Ausser mir waren noch zwei Schweizerinnen, drei Polinnen und ein Pole da und wir haben uns glänzend unterhalten, mitgesungen und das Wochenende gefeiert.  

Kurz nach elf habe ich mich verabschiedet. Ich wusste nicht genau, wann die Busse fahren und habe mir gedacht, dass ich lieber etwas früher gehe, damit ich nicht nocheinmal laufen muss... Falsch gedacht: der letzte Bus war 3 Minuten vorher abgefahren und ich habe den Weg zum dritten Mal an diesem Tag unter die Füsse genommen...

Zwei positive Nebeneffekte hat das Ganze: bis ich zu hause war, habe ich vom Bier nichts mehr gespürt. Und ich habe bisher keine Chance, hier auch nur ein Gramm zuzunehmen - eher im Gegenteil...

Heute Morgen bin ich dann wieder mit dem Bus zum Bahnhof gefahren. So konnte ich etwas länger schlafen und das war nun wirklich auch wieder mal nötig...

Wie bereits gestern geschrieben, habe ich mich mit Martina auf nach Glasgow gemacht, um zu shoppen. Mit dem Zug hat alles tiptop geklappt. So anders als in der Schweiz funktioniert dies nun auch wieder nicht...

Nach knapp einer Stunde waren wir in der grössten Stadt von Schottland. Und sie ist wirklich riiiesig! Bin ja froh, dass ich für den grössten Teil meines Aufenthaltes im kleinen Edinburgh sein darf, wo alles sooo schön nahe beisammen liegt... (Ironie off) 

Wir haben uns auf den Weg nach Glasgow Barras gemacht, welches etwas ausserhalb des Stadtzentrum liegt. Laut Martinas Reiseführer soll dort immer am Samstag und Sonntag ein grosser Flohmarkt abgehalten werden. Nach einigem suchen haben wir diesen auch gefunden und ich kam ordentlich ins Staunen - hier wird einfach alles verkauft: schmutzige Kleider, alte Schuhe, uralte zerschliessene Pornohefte, zerlesene Bücher und wir sahen auch einen ganzen Stand mit ausschliesslich Spül- und anderen Putzmitteln. Auch erwähnenswert ist der Metzger, ein kleiner Mann auf einem immensen Wagen, welcher lauthals seine Ware anpreist und Fleischstücke verkauft, die der Grösse nach nur von einem Dinosaurier stammen können...

Gegen Ende unseres Rundgangs fanden wir eine kleine Markthalle, in welcher einige unabhängige Musiklabels ihre CD's, Platten, Bücher, T-Shirts usw. verkauften. Der Ort war super: fröhliche Menschen, eine einladende Atmosphäre und viiiel laute Musik! Wir haben uns schlussendlich mit ein paar CD's für gerade mal fünf Pfund pro Stück eingedeckt und zudem noch je sechs (6!) Singles als Promo erhalten. Da lohnt sich doch der Einkauf...

Zurück im Stadtzentrum haben wir uns bei McDonalds verpflegt (das schmeckt auch hier nicht besser und ich hab's nun wohl wieder für eine Weile gesehen) und sind anschliessend weiter staunend durch die immense Anzahl Läden gewandert, bis zumindest mir fast die Füsse abfielen...

Ich habe noch drei weiter CD's und ein Paar neue Schuhe gekauft - violet-rötliche Stiefel mit einer riesigen Fliege als Schuhabdruck!

Nun sitze ich daheim, ordentlich durchgelüftet und mal wieder müde, höre mir die neu erworbene CD von Tom Odell an und schwelge vor mich hin... Schön war's!

12.10.13 22:43, kommentieren

Weekend ahead!

Meine erste Schulwoche in Edinburgh ist vorbei und sie war zwar interessant, aber auch anstrengend. Ich bin gespannt auf meine Einstufungstest nächste Woche und ob ich das Proficiency nun tatsächlich machen kann oder nicht. Den grössten Kampf habe ich mit den Präpositionen (grrr!!!) und mit meinem Wortschatz. Und wer weiss, was noch zum Vorschein kommt...

Gestern war ich mit Martina auf ein Feierabendtee in einem kleinen Kaffee in der Altstadt und wir haben Pläne für das Wochenende geschmiedet: heute Abend gehen viele Studenten der Schule (und auch wir) an die Pubnight in einem Irischen Pub in der Nähe des Edinburgh Castles. Dort gibt es höchstwahrscheinlich das erste Bier seit ich hier bin...

Morgen wollen wir mit dem 9-Uhr-Zug nach Glasgow fahren und auf Shopping (oder zumindest Windowshopping) Tour gehen. Laut Mario ist Glasgow keine schöne Stadt im eigentlichen Sinne, soll jedoch ausgezeichnete Einkaufsmöglichkeiten bieten. Ausserdem will ich doch wissen, wie das mit den Zügen hier so funktioniert...

Martina hat einen Interrailpass und ist letzte Woche mit dem Zug aus der Schweiz angereist. Via Paris und London dauert dies gerade mal zwölf Stunden (reine Fahrzeit). Der Pass ist natürlich auch während ihres Aufenthaltes und für ihre Rückreise gültig, also haben wir uns schnell für den Zug anstelle des Busses entschieden, um nach Glasgow zu fahren.

Es ist kalt geworden im Vergleich zu anfangs Woche. Ich trage zwar immernoch keine Kappe, aber ich höre mittlerweile unterwegs fast immer Musik, da mit den Ohrstöpseln der Wind ein wenig besser auszuhalten ist. Zudem habe ich mir noch eine zusätzliche Strickjacke gekauft (für GBP 9.99 bei H&M) und habe aber trotzdem mehr oder weniger immer eine kalte Nasenspitze. Der Wind kommt zur Zeit direkt von der Antarktis und ist beissend und eiskalt. Aber auch dies wird sich wieder ändern... (Quelle: Mario)

Nichts desto trotz gehe ich immernoch zu Fuss zur Schule und zurück. Um dem Lärm der Busse und Autos etwas zu entfliehen, nehme ich den Weg durch die Princes Gardens und beobachte weiterhin fleissig die vielen Eichhörnchen. Die sind hier grau und haben einen rötlich braunen Kopf. Ein bisschen sehen sie aus, als ob sie etwas sehr scharfes gegessen hätten oder als ob sie sich tierisch über irgendetwas ärgern würden...

2 Kommentare 11.10.13 19:02, kommentieren


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